Jugendherbergen in Brunsbüttelkoog

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Schule Festgestraße 11

Quellen: Stadtarchiv Brunsbüttel und „Chronik und Schicksal der Schule Süd“ von W.H.Hansen

Der Zeitungsartikel unten vom 10. März 1919 weist in der Tiedemannstraße 17 (frühere Privatschule und ab 1911 erste Mittelschule, bis 1913 das neue Mittelschulgebäude fertiggestellt war) auf ein Jugendbundheim hin. Dies dürfte wohl die erste Jugendherberge im Bereich Brunsbüttelhafen und Brunsbüttelkoog gewesen sein, die allerdings 1937 geschlossen wurde.
Die Postkarte weiter unten von der Tiedemannstraße ist aus dem Jahre 1937 (siehe Realschule Brunsbüttel)

Im Jahr 1922 wurde ebenfalls eine Jugendherberge mit 18 Betten, ohne viel Komfort, auf dem Boden des Schulgebäudes Festgestraße 11 eingerichtet (Volksschule Brunsbüttel-Süd)
Der Hausmeister der Schule war gleichzeitig der Herbergsvater. In seiner Küche wurde das Frühstück vorbereitet und auch eingenommen. Wegen Mangel an jugendlichen Wanderern wurde es 1936 wieder geschlossen.


Die folgenden Bilder zeigen Einträge aus dem Gästebuch der Jugendherberge Tiedemannstraße 17 aus 1936 und - hauptsächlich - aus dem Jahr 1937. An einigen Einträgen ist der Einfluß der NS-Herrschaft auf die Jugend bereits erkennbar.

Aus dem Telefonbuch 1955

Nach dem Krieg wurde der Ruf nach einer Jugendherberge in Brunsbüttelkoog wieder laut. Man fand kein geeignetes Gebäude und für einen Neubau fehlte es an dem nötigen Geld. Zu dem Zeitpunkt war es wichtiger, Wohnraum für die Bevölkerung zu schaffen und den Flüchtlingsstrom unterzubringen.
Aus dieser Notlage heraus entsann man sich des am 5. April 1951 eingeweihten Volksschulgebäudes auf der Südseite. So entstand auf dem Boden dieses Schulgebäudes in der Jahnstraße am 1. Mai 1952 eine Jugendherberge mit 86 Betten. Außerdem hatte man noch ein Stroh-Notlager für 50 Schlafgäste eingerichtet, so daß man auf insgesamt 136 Übernachtungsmöglichkeiten kam. Betreuer dieser Anlage war der Schulleiter und in dem Hausmeister fand man auch schnell einen Herbergsvater.


Küchen- und Speiseräume waren im Keller untergebracht. Eine namhafte Firma spendete einen riesigen, gebrauchten Eisschrank (so nannte man damals noch den Kühlschrank). In einem 60-Liter-Kessel wurde so mancher schmackhafte Eintopf gekocht.
Besonders zu erwähnen wäre da noch die Abreisezeit. Um den eigentlichen Schulbetrieb nicht zu stören, besagte die Herbergsordnung, daß die Wandergruppen die Herberge um 8.00 Uhr verlassen haben mußten.


Zeitungsartikel

Bereits 1952 wurde ein Zustrom von 1600 Jugendlichen verzeichnet, 1956 waren es schon 4685. Es wurden in einer Nacht schon 200 Jugendliche gezählt. 1954 - in Helsinki wurden die olympischen Spiele ausgetragen – erlebte die JH wohl den größten Zuspruch. Viele Olympia-Besucher nutzten die Fährverbindung Brunsbüttelkoog-Cuxhaven, übernachteten in der JH und fuhren weiter nach Kiel, wo sie dann nach Helsinki einschifften. Außer aus deutschen Ländern verzeichnete das Gästebuch Besucher aus Dänemark, Schweden, Finnland, Amerika, Frankreich, Schweiz, England, Schottland, Kanada, Holland und sogar Australien.
Die Unterbringungsmöglichkeiten waren allerdings aus den Gegebenheiten heraus so mangelhaft, daß Ende 1956 das Schicksal der JH besiegelt war. Die Baupolizei genehmigte einen weiteren Ausbau nicht und so mußten die Nachtlager leer bleiben. Im darauffolgenden Jahr, 1957, wuchs die Anfrage sogar auf über 8000 Jugendliche an, obwohl die JH nicht mehr im Verzeichnis stand. Selbst 1959 klopften noch Wanderer bei den Herbergseltern Raabe um Aufnahme an.

Hafenamt
Mühlenstraßen


Verzweifelt suchte man nach alternativen Möglichkeiten. Eine sollte evtl. das Amtsgebäude des Wasserbauamtes Brunsbüttelkoog sein (das frühere Hafenamt). Es hieß, ein neues Amt sollte gebaut werden, doch zerschlug sich der Plan aufgrund mangelnder Bundesmittel.
Eine weitere Idee war der Umbau des Schulgebäudes in Mühlenstraßen in eine Jugendherberge, da dieses Schulhaus auch in den Sog der „Dörfergemeinschaftsschulen“ geraten war und man so eine vernünftige Alternative sah. Leider hat sich dieser Wunsch – trotz eines von der Stadt extra für eine JH abgeschlossenen Sparvertrages in Höhe von 250 000 DM – nicht erfüllt.
So blieb in späteren Zeiten nur die JH in St.Michaelisdonn, die aber in jüngster Zeit auch schon wieder geschlossen wurde.